Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.
Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.
Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.
Reiner Sikora
AG Fachberatung
Gartentipps November/Dezember 2017
Liebe Gartenfreunde, früher gehörte das Umgraben der Beete zu den typischen Gartenarbeiten im Herbst.
Es hieß, der Garten müsse im Winter "schwarz" sein. In den allermeisten Gärten ist das Umgraben der Beete aber überhaupt nicht nötig.
Inzwischen hat sich bei den meisten die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur schwere, lehmige Gartenböden
tatsächlich umgegraben werden sollten. Die dicken Bodenklumpen werden dann durch starken Frost
gesprengt. Diese sogenannte Frostgare macht den Boden schön feinkrümelig.
Umgraben bringt den Mikrokosmos durcheinander!
Der Boden, auf dem über die Jahre unterschiedliche Pflanzen, Blumen oder Gemüse wuchsen, hat eine nach unten gewachsene Struktur. In jeder Bodenschicht
tummeln sich bestimmte Kleinstlebewesen und bilden einen
Mikrokosmos aus. In einem Quadratmeter gesunden Gartenboden leben Billionen Bakterien, Milliarden Strahlenpilze, Millionen Einzeller und etwa 200
Regenwürmer. Alles hat genau seinen Platz. Beim Umgraben bringt man diese fruchtbare Ordnung durcheinander und richtet mehr Schaden an, als dem Garten etwas Gutes zu tun. Über das Gartenjahr hat sich im Boden eine lebendige Humusschicht von 15 bis 20 Zentimeter gebildet.
Von Zentimeter zu Zentimeter sind die Lebensbedingungen für Kleinst- und Mikroorganismen anders.
Beim Umgraben wird das ganze System plötzlich auf den Kopf gestellt.
Die luftabhängige obere Schicht mit ihren nützlichen Bewohnern wird praktisch begraben. Die Nährstoffproduzenten aus der Wurzelzone sind auf einmal an der frischen Luft und das fein abgestimmte System, das sich über das Jahr aufgebaut hat, ist damit kaputt. Viele der nützlichen Helfer im Boden sterben ab.
Diejenigen, die überleben, müssen ihr ganzes System wieder neu aufbauen.
Das vermindert die Fruchtbarkeit des Bodens und
verzögert das Wachstum im neuen Jahr.
Die natürlich gewachsene Struktur des Bodens sollte möglichst erhalten bleiben. Deshalb wird der
Boden vor dem Winter nur mit der Grabegabel aufgelockert.
Dafür mit dem Spaten tief in die Erde stechen
und ihn hin und her bewegen, sodass kleine Hohlräume im Boden entstehen. So gelangt Luft an die unteren Schichten, aber die wichtigen Mikroorganismen bleiben in ihrem Wirkungsbereich.
Beete mit eher lockerem Boden können auch einfach mit dem Grubber bearbeitet werden.
Wer seinem Garten im Herbst etwas Gutes tun möchte, sollte
düngen. Mist oder Kompost sollte aber nur in die obere Erdschicht eingeharkt werden, weil nur dort der nötige Sauerstoff für den Abbau vorhanden ist. Als letzte Wintervorbereitung bekommt der Boden eine
luftig-warme Decke aus organischem Abfall oder Laub.
Dadurch bleiben die Temperaturen im Boden etwas höher und
Regenwürmer und Mikroorganismen können länger ihre Arbeit im Boden tun.

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                      Riesa,31.07.2017 

Reiner Sikora

AG Fachberatung   

                                                            

Gartentipps August 2017

 

Liebe Gartenfreunde, für den Tomatengärtner gibt es kaum etwas Schlimmeres als die Braunfäule. Gerade jetzt droht wieder diese Pilzkrankheit. Wirklich resistente Tomatensorten gibt es nicht. Nur eine gewisse Toleranz!

 

Die Braunfäule entwickelt sich bevorzugt bei feuchtem Wetter. Und wenn es dann noch für ein paar Tage kühl ist (unter 15°C), dann ist der Befall der Tomatenpflanzen sehr wahrscheinlich. Wenn es kühl (unter 23°C) und feucht bleibt, dann wachsen die Pilze innerhalb von drei bis vier Tagen heran und bilden neue Sporen aus, die sich ihrerseits weiterverbreiten. Durch die schnelle Entwicklung greift die Krankheit zügig um sich.

 

Was tun bei Befall?

 

Wenn die Pflanzen von Braunfäule befallen sind, hat man relativ schlechte Karten. Falls man es früh genug merkt und nur vereinzelte Blätter betroffen sind, kann man diese bei trockenem Wetter abschneiden. Entfernen der ältesten bodennahen Blätter bis hoch zum untersten Fruchtstand. Dadurch kann man, mit etwas Glück, den weiteren Befall der Pflanze verzögern. Wenn ein Großteil oder alle Blätter verdorrt sind, ist die Pflanze verloren.

Befallene Blätter und Früchte müssen sofort ausgeknipst und vernichtet werden. Auf keinen Fall dürfen die infizierten Pflanzenteile auf den Kompost, da die Sporen sehr robust und langlebig sind.

Wichtig ist eine gute Hygiene. Desinfiziert alle Gegenstände, die mit den Tomatenpflanzen in Berührung kommen.

Die beste Pflanzzeit für Erdbeeren ist der Monat August. Generell gilt: Je früher man pflanzt, desto höher ist im ersten Ertragsjahr die Ernte. Optimal ist die Pflanzung bereits in der ersten Augustwoche!

Bei Verzögerung empfiehlt es sich, die Erdbeersenker übergangsweise in einen Blumentopf zu pflanzen. 

Vor der Pflanzung sind die Pflanzen mit den Wurzeln kurz in Wasser zu stellen, auch die Topfballen sollten voll durchfeuchtet sein. Danach unmittelbar pflanzen.

 

Der Pflanzabstand hängt vom Verwendungszweck ab. Der Kleingärtner soll, da er ja keine Maschinen einsetzt, einen Abstand von Reihe zu Reihe von ca. 60 cm und von Pflanze zu Pflanze ca. 30 cm einhalten.


Das Pflanzloch muß so tief sein, dass die Wurzeln ohne Stauchung in ihm Platz finden. Die Pflanze ist so zu setzen, dass sich das Herz in Höhe der Erdoberfläche befindet. Die Pflanzen fest andrücken.
 

Nach der Pflanzung kräftig angießen und bei anhaltender Trockenheit morgens und abends wässern, nicht nur leicht überbrausen. In der Periode des Anwachsens (etwa 10 bis 14 Tage) sollte der Boden nicht austrocknen.

 

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                  Riesa, 27.06.2017
Reiner Sikora
AG Fachberatung   
                                    
Gartentipps Juli 2017
Liebe Gartenfreunde, selbst Profigärtner sind sich oft nicht einig, ob man den Baumschnitt besser im Sommer oder Winter vornehmen sollte. Sowohl für den Sommerschnitt als auch für den Winterschnitt von Bäumen gibt es gute Argumente.
Die Vorteile beim Sommerschnitt an Obstbäumen überwiegen!
Früher war man der Ansicht, dass ein Sommerschnitt den Baum stärker schwächt, weil er durch die Pflegemaßnahme sehr viel Blattmasse verliert. Dieses Argument wurde von der Wissenschaft jedoch längst entkräftet, denn die in der Rinde eingelagerten Reservestoffe gehen der Pflanze auch im unbelaubten Zustand verloren.

Das größte Argument für den Sommerschnitt ist die bessere Wundheilung! Steht ein Baum beim Gehölzschnitt "im Saft", schottet er das verletzte Gewebe sehr schnell gegen Bakterien und holzzerstörende Pilze ab. Das Teilungsgewebe in der Rinde am Astring wird aktiviert und bildet neue Rindenzellen, die den offenen Holzkörper vom Rand her überwallen. Aus diesem Grund sollte man Kronenkorrekturen, die größere Schnittwunden verursachen, vorzugsweise im Sommer vornehmen.
Im Sommer ist bei allen dünneren, nicht zu stark verholzten Wasserreisern das Ausreißen zu empfehlen. Der Astring wird mit entfernt und bildet keine neuen Triebknospen
Im Sommer vorgenommene Korrekturschnitte sind in der Regel auch weniger radikal, weil man die Kronendichte besser beurteilen kann und im Zweifelsfall lieber einen Ast mehr stehen lässt. Da die Wachstumsphase der Bäume im Hochsommer außerdem schon weit fortgeschritten ist, treiben sie außerdem nicht so stark durch wie nach einem Winterschnitt – das ist zum Beispiel der Hauptgrund, warum man die sehr starkwüchsigen Süßkirschen inzwischen auch im Ertragsanbau vorzugsweise nach der Ernte im Sommer schneidet. Bei stark blutenden Baumarten spricht zudem der geringere Saftaustritt für einen Rückschnitt im Spätsommer.                                    
Erst Anfang der 90er-Jahre wurde der "Juniknip" wiederentdeckt: Dieser Sommerschnitt bei Apfelbäumen lässt die Früchte besser ausreifen, beruhigt das Triebwachstum und reduziert die Anfälligkeit für Pilzerkrankungen. Er reguliert das Wachstum des Baumes und verhindert Pilzbefall, da die Blätter durch die bessere Belüftung der Krone nach Regenfällen schneller abtrocknen können. Außerdem reifen aufgrund des besseren Lichteinfalls auch die Früchte im Kroneninnern gleichmäßiger aus und entwickeln ein intensiveres Aroma.
Der ideale Zeitraum für diesen Schnitt ist von Ende Juni bis Mitte Juli, wenn das Triebwachstum abgeschlossen ist und der Apfelbaum neue Blütenknospen für das Folgejahr anlegt. Entfernt vor allem die einjährigen, senkrecht hochwachsenden Triebe (Wasserschosse).
Für alle Fragen zum Obstbaumschnitt im Sommer steht der Fachberater in Eurem Verein gern zur Verfügung.

 

Hausmittel gegen Blattläuse

Natürliche Hausmittel gegen Blattläuse sind für diejenigen eine Lösung, die den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln vermeiden möchten. Blattläuse sind lästige und sehr häufig aufkommende Schädlinge. Sie treten in Ziergärten, auf Gemüse und sogar in Hauspflanzen auf. Blattläuse saugen den Saft aus Pflanzen, verschmutzen die Pflanzen mit Honigtau und übertragen gefährliche Viren. Daher ist es wichtig schnell zu reagieren und die Blattläuse so schnell wie möglich zu bekämpfen. Um schnell zu handeln, verwenden Sie, was Sie gerade zur Hand haben!

Blattläuse gehören zu den am häufigsten auftretenden Pflanzenschädlingen. Sie erscheinen plötzlich und vermehren sich sehr schnell. Trotz derer geringen Größe (2-5 mm) können diese eine Menge Schäden der Pflanze verursachen. Sie saugen Saft aus jungen Trieben, Knospen und Blütenständen. Ihr Fressen kann zur Hemmung des Wachstums der Pflanze, Verkümmerungen und Verformungen von jungen Trieben führen; nicht zu vergessen die deutliche Abnahme in der Menge und in der Qualität der Obstpflanzen und der Gemüsepflanzen. Beim Fressen scheiden Blattläuse Honigtau aus, auf dem sich schnell Pflanzenpilzerkrankungen entwickeln. Wie man sehen kann ist daher der Schaden, den die Blattläuse verursachen, riesig und man muss sie sofort bekämpfen, wenn diese auftreten.

Glücklicherweise hat der Mensch eine Menge Präparate, die effektiv Blattläuse bekämpfen, entwickelt. Leider sind chemische Pflanzenschutzmittel in der Regel sehr teuer und schädlich für die Umwelt. Wenn uns Blattläuse jedoch überraschen und plötzlich erscheinen, haben wir oft keine Zeit um nach einem geeigneten Präparat zu suchen. In solchen Situationen ist es lohnenswert natürliche Hausmittel gegen Blattläuse zu verwenden. Schließlich gab es in der Vergangenheit keine fertigen Präparate gegen Blattläuse und man ist irgendwie mit diesen Schädlingen zu Recht gekommen.

Hausmittel gegen Blattläuse verwenden in erster Linie Pflanzen, die die Blattläuse nicht mögen. Pflanzen, die Blattläuse abweisen sind Knoblauch und Zwiebeln, Kräuter-Minze ist gut, und von den Zierpflanzen – Lavendel. Sehr gute Ergebnisse bringt das Anpflanzen von Gemüse mit Blattläusen-Abschreckenden Pflanzen, das heißt eine gemeinsame Pflanzung von Pflanze mit anderen Gemüsesorten.

Aus Blattläuse-abschreckenden Pflanzen kann man auch Sprühpräparate gegen Blattläuse vorbereiten. Ein sehr gutes hausgemachtes Mittel gegen Blattläuse ist eine Brühe aus Zwiebeln, die in der Regel jeder in der Küche hat. Um eine Brühe aus Zwiebeln gegen Blattläuse zu fertigen, schneiden wir etwa 75 g Zwiebel in kleine Stücke, begießen diese  mit ca. 10 Liter Wasser und kochen alles für 30 Minuten bei schwacher Hitze. Nach dem Abkühlen ist die Brühe fertig um es in ein Sprühgerät einzuschütten und die Pflanzen zu besprühen. Es ist auch ein gutes Mittel für einige Pilzerkrankungen von Pflanzen, empfehlenswert wenn wir zum Beispiel Gemüse im Kübel anbauen.

Ein weiteres Haumittel gegen Blattläuse ist Knoblauchextrakt. Dazu zerquetscht man 200 Gramm Knoblauch und begießt dieses mit 10 Liter Wasser. Das Ganze wird für etwa 24 Stunden stehen gelassen. Wenn diese Zeit abgelaufen ist, ist das Knoblauchextrakt gegen Blattläuse fertig.

Ein hausgemachtes Mittel gegen Blattläuse ist auch ein Extrakt aus Löwenzahn, im Volksmund auch als Gänsedistel bezeichnet. Es ist auch eine Gelegenheit diese Pflanze  vorteilhaft zu nutzen, die in der Regel als Unkraut wächst. Um ein Extrakt aus Löwenzahn gegen Blattläuse vorzubereiten, nimmt man 400 Gramm Löwenzahnblühten und begießt diese mit 10 Liter Wasser. Wir überlassen es für 3 Stunden. Dann ist das Extrakt sprühbereit.

Wenn man ein Hausmittel gegen Blattläuse erstellt hat, muss man es sofort verwenden. Im Gegensatz dazu können Brühen für etwa zwei Monate in einem luftdichten Behälter aufbewahrt werden, abstellend in einem schattigen Plätzchen. Man sollte im Kopf behalten, dass diese Mittel nicht überdosiert werden können; man kann die Pflanzen im Übermaß der Flüssigkeit besprühen.

Nicht nur Pflanzen können in hausgemachten Mitteln gegen Blattläuse verwendet werden. Als eine hausgemachte Möglichkeit gegen Blattläuse kann auch ein Gemisch aus Milch und Wasser in einem Verhältnis von 1:1 benutzt werden. Nach dem Mischen kann man dies sofort zum Spritzen nehmen. Die Wirksamkeit ist jedoch manchmal fragwürdig, da man frische Milch direkt von der Kuh verwenden sollte. Das Sprühmittel mit Milch aus dem Karton kann nicht die gewünschten Effekte herbeibringen (die Meinungen zu diesem Thema sind unterschiedlich).

Als Hausmittel gegen Blattläuse kann auch Sprühmittel aus Kernseife verwendet werden. Wenn man zu Hause Kernseife hat, sollte 200 g der Kernseife in 1 Liter heißem Wasser aufgelöst werden. Wenn die Flüssigkeit abgekühlt ist, kann man dieses als Sprühmittel gegen Blattläuse benutzen. Der Einsatz von Kernseife, die auch als Kaliumseife bezeichnet wird, ist recht häufig im Gartenbau gebraucht und in Garten-Geschäfte kann man auch ohne Problem Kaliumseife kaufen.

Hausgemachte Mittel gegen Blattläuse sind nicht schädlich für die Umwelt; man kann diese ruhig als ökologische Präparate benennen. Dies ist besonders wichtig, wenn man es auf Gemüse oder Früchte, die wir dann essen, oder auf Zierblumen, die ständig in unserer Umgebung sind, verwenden. Die oben genannten aus Pflanzen bestehenden Sprühpräparate schaden uns in keiner Weise, da diese vollkommen natürlich sind.

Blattläuse können auch von Marienkäfern, Florfliegen und anderem Ungeziefer gefressen werden. Deshalb sollte der Garten insektenfreundlich geschaltet werden um unsere natürlichen Verbündeten im Kampf gegen die Blattläuse einzuladen. Bei der Durchführung der chemischen Sprühmittel gegen Blattläuse können leicht die nützlichen Insekten zu Schaden kommen. Dies ist ein weiterer Grund für das Verwenden von möglich nur natürlichen hausgemachten Mittel gegen Blattläuse.

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                  Riesa, 02.05.2017
Reiner Sikora
AG Fachberatung   
                                 
Gartentipps im Mai 2017
Im Mai können vorgezogene Tomaten ins Beet umziehen. Tomatenpflanzen werden tiefer als andere Gemüsesorten in den Boden gesetzt!
Ende April/Anfang Mai wird es immer wärmer und vorgezogene Tomaten können langsam ins Freiland umziehen. Wenn Sie junge Tomatenpflanzen im Garten setzen wollen, sind milde Temperaturen die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg. Warten Sie deshalb mit dem Auspflanzen, bis sich der Boden auf 13 bis 15 Grad Celsius erwärmt hat – darunter stoppt das Wachstum und die Pflanzen setzen weniger Blüten und Früchte an. Um ganz sicher zu gehen, können Sie erst die Eisheiligen abwarten (12. bis 15. Mai), bevor Sie die frostempfindlichen Tomatenpflanzen ins Beet setzen.
Ein Folienhaus bietet bessere Bedingungen für den Tomatenanbau als das Freiland. Dort ist das wärmeliebende Fruchtgemüse vor Wind und Regen geschützt und der Braunfäule-Pilz kann sich weniger leicht ausbreiten.
Da Tomatenpflanzen viel Platz brauchen, sollten man zunächst genügend Abstand – circa 60 bis 80 Zentimeter – zwischen den einzelnen Pflanzen einplanen. Danach kann man die Pflanzlöcher ausheben. Sie sollten ungefähr doppelt so groß wie der Wurzelballen der Tomatenpflanze sein und mit etwas Komposterde angereichert werden.
Anschließend entfernen Sie die Keimblätter der Tomatenpflanze und topfen sie aus. Die ausgetopfte Tomatenpflanze wird nun in das vorgesehene Pflanzloch gesetzt. Pflanzen Sie die Setzlinge etwas tiefer, als sie im Topf gestanden haben. Dann entwickeln die Tomatenpflanzen um den Stängelansatz zusätzliche Wurzeln und können mehr Wasser- und Nährstoffe aufnehmen.
Bei veredelten Sorten sollte man darauf achten, dass die verdickte Veredelungsstelle noch zu sehen ist. Wenn Sie verschiedene Tomatenpflanzen setzen, können Sie diese zusätzlich mit einer Markierung kennzeichnen, um sie besser auseinanderhalten zu können. Nachdem alle Jungpflanzen in die Erde gesetzt wurden, sollten sie noch angegossen werden. In den ersten drei Tagen nach dem Setzen werden die Tomatenpflanzen übrigens täglich gewässert.
Damit die langen Ranken der Tomatenpflanzen auch in die Höhe wachsen, brauchen sie Rankhilfen als Unterstützung, wie Stäbe oder Spiralen. Damit die Tomatenpflanzen von Pilzkrankheiten wie Braunfäule verschont bleiben, sollten Sie sie sowohl im freien Beet als auch auf dem Balkon vor Regen schützen.
Wird nicht richtig gegossen, hat die Braunfäule leichtes Spiel. Dazu gibt es einen Tomatentrick: Man setzt die Pflanzen in mindestens 20 Zentimeter große weiße Plaste-Eimer. Bei denen schneidet man den Boden vorher heraus. Das Gießwasser gelangt damit direkt in die Mitte der Wurzeln, die Verdunstung wird eingeschränkt, und es schützt beim Harken die flachen Wurzeln.

Die Blätter der Tomatenpflanzen dürfen beim Gießen nicht nass werden!

 

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                  Riesa, 06.04.2017
Reiner Sikora
AG Fachberatung   
                                 
Gartentipps im April 2017

Gute Gründe für organische Düngung mit Hornspänen
Wenn man das naturnahe Düngen unterstützen will, sollte man seine Pflanzen organisch düngen – zum Beispiel mit Hornspänen. Sie enthalten verschiedene Eiweiße und der darin gebundene Stickstoff ist bereits Teil des globalen Kreislaufs. Man betreibt also lediglich eine Art Nährstoffrecycling. Wer hingegen mineralischen Stickstoffdünger verwendet, schleust zusätzliche, chemisch hergestellte Stickstoffverbindungen in den Kreislauf ein.
Hornspäne: Herkunft und Herstellung
Die in Deutschland angebotenen Hornspäne stammen zum großen Teil aus Übersee, vor allem aus Südamerika. Der Grund: In Europa werden Rinder meistens schon als junge Kälber enthornt, damit sie sich in den engen Ställen nicht gegenseitig verletzen. In Südamerika hingegen verzichtet man meistens auf diese Maßnahme, denn die Rinder grasen dort in der Regel auf großen Weideflächen.
Die Hörner der Tiere sind aber nicht das einzige Rohmaterial zur Herstellung von Hornspänen, auch die Klauen werden verwertet. Beides wird in speziellen Hornmühlen zerkleinert und anschließend in Säcke abgefüllt. Die einzige Hornmühle in Deutschland steht in der Nähe von Ulm und wird von der Firma Oscorna betrieben, einem großen Hersteller organischer Düngemittel.
Inhaltsstoffe
Hornspäne sind ein fast reiner Stickstoffdünger. Der N-Gehalt variiert je nach Ausgangsmaterial leicht und liegt etwa zwischen 12 und 15 Prozent. Die Massenanteile von Phosphat und Kalium hingegen sind mit unter einem Prozent zu vernachlässigen. Damit sind Hornspäne für die meisten Gärten auch als Universaldünger geeignet, denn die Bodenlabors stellen immer wieder fest, dass mehr als die Hälfte der Privatgärten mit den Hauptnährstoffen Phosphat und Kalium ohnehin ausreichend versorgt bis stark überdüngt sind. Wenn man in diesen Gärten einen Mehrnährstoffdünger verwendet, gerät das Nährstoffgefüge im Boden noch weiter aus dem Gleichgewicht, was bei den Pflanzen im Extremfall sogar zu Wachstumsstörungen führen kann.
Eine Mischung aus Hornspänen und Kompost ergibt einen guten Gartendünger
Der Stickstoff ist wie bei allen organischen Düngern in verschiedenen Eiweißverbindungen gebunden. Die Hornspäne müssen erst von den Mikroorganismen im Boden zersetzt werden, bevor die Pflanzen den enthaltenen Stickstoff aufnehmen können. Zum Aufbau des Humusgehalts im Boden eignen Hornspäne sich jedoch kaum. Zum einen werden die Eiweißverbindungen so stark zersetzt, dass kaum Ballaststoffe zurückbleiben, zum anderen ist die verabreichte Menge zu gering, um den Humusgehalt nennenswert zu erhöhen.
Hornspäne, Horngrieß oder Hornmehl?
Die Körnung hat großen Einfluss darauf, wie schnell und nachhaltig ein Horndünger wirkt. Die Korngröße von Hornspänen liegt über fünf Millimeter, daher wirken sie wie ein Langzeitdünger. Sie setzen den Stickstoff langsam, aber kontinuierlich über etwa ein Jahr in kleinen Mengen frei. Man sollte Hornspäne daher nach Möglichkeit schon im Herbst ausbringen, um bis zum Frühjahr, wenn das Pflanzenwachstum wieder einsetzt, eine Düngewirkung zu erzielen. Auch vor dem Mulchen mit Rindenmulch ist es sinnvoll, Hornspäne auszubringen – sie verhindern, dass Zersetzungsprozesse in der Mulchschicht zu einer Stickstoffverarmung des Bodens führen.
Etwas rascher als Hornspäne wirkt Horngrieß mit einer Körnung zwischen einem und fünf Millimetern. Wer eine möglichst kurzfristige Wirkung möchte, der sollte auf Hornmehl zurückgreifen. Hier liegt die Körnung bei unter einem Millimeter.
Für alle Horndünger gilt: Arbeiten Sie sie nach dem Ausstreuen flach in den Boden ein. Wenn Sie den Dünger nur auf der Oberfläche verteilen, dauert der Zersetzungsprozess länger, weil die Mikroorganismen nicht von allen Seiten "angreifen" können.
Richtig düngen mit Hornspänen
Horndünger können Sie grundsätzlich als Dünger für alle Pflanzen verwenden. Da sie den pH-Wert des Bodens nicht beeinflussen, eignen sie sich auch für kalkempfindliche Pflanzen wie zum Beispiel Rhododendron oder Heidelbeeren.
Den nährstoffbedürftigen Rhabarber können Sie bereits im Herbst mit einer großen Portion Hornspänen düngen.
Je langfristiger die Wirkung ist, desto früher sollte der Dünger ausgebracht werden. Gemüse düngen Sie im Frühjahr am besten mit schnell wirkendem Hornmehl oder Horngrieß, während Sie Dauerkulturen wie Erdbeeren und Rhabarber oder auch Gehölze und Stauden im Ziergarten schon im Herbst mit Hornspänen versorgen können. Mit geringerer Korngröße reduziert sich je nach Kultur auch die Aufwandmenge pro Düngung, dafür düngt man entsprechend früher nach. Bei der Dosierung von Horndüngern kommt es nicht auf ein paar Gramm an, denn überdüngen kann man seine Pflanzen wegen der langsamen Nährstofffreisetzung kaum.
Beim Pflanzen von Gehölzen wird empfohlen gleich ein paar Hornspäne mit ins Pflanzloch zu streuen. Davon raten wir jedoch ab, denn der Horndünger gelangt zu tief in den Boden, wo er wegen Sauerstoffmangel und geringer biologischer Aktivität nur unzureichend zersetzt wird. Sehr empfehlenswert ist es hingegen, den Horndünger vor dem Ausbringen mit reifem Kompost zu mischen. Der Kompost beschleunigt zum einen die Freisetzung des Stickstoffs und liefert darüber hinaus noch weitere wichtige Nährstoffe und Spurenelemente.

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                  Riesa, 02.03.2017
Reiner Sikora
AG Fachberatung   
                                 
Gartentipps im März 2017

Die richtige Fruchtfolge im Gemüsegarten
Die Einhaltung der Fruchtfolge spielt beim erfolgreichen Gemüseanbau eine wichtige Rolle. Die Pflanzen werden dadurch optimal mit Nährstoffen versorgt und sind widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Ein ertragreicher Gemüsegarten setzt eine gute Planung der Fruchtfolge mit jährlichem Beetwechsel für die verschiedenen Gemüsearten voraus
Schon unsere Vorfahren wussten, dass man mit dem Boden behutsam umgehen muss, wenn man langfristig gute Erträge erwirtschaften will. Aus diesem Grund wurden die Felder früher nicht permanent genutzt, sondern lagen regelmäßig brach. Aus der römischen Zweifelderwirtschaft entwickelte sich zunächst die Dreifelderwirtschaft als einfachste Form der Fruchtfolge mit zwei Anbaujahren und einem Brachejahr. Als der Anbau von Kartoffeln und Hackfrüchten eine größere Bedeutung erlangte, wurde schließlich die Vierfelderwirtschaft eingeführt. Diese Bewirtschaftungsform spielt seit der Erfindung des Mineral-düngers in der Landwirtschaft zwar keine große Rolle mehr, aber viele Hobbygärtner betreiben sie noch heute – und das mit großem Erfolg.
Die Vierfelderwirtschaft als Vorbild
Die Grundsätze der Fruchtfolge in der Vierfelderwirtschaft beruhen darauf, die Ertragskraft des Gartenbodens zu erhalten und ihn gleichzeitig optimal zu nutzen. Da jedes Feld nur jedes vierte Jahr brach liegt oder mit einer Gründüngung versehen wird, kann man jedes Jahr 75 Prozent der Gesamtfläche nutzen. Damit das reibungslos funktioniert, sollte man die Regeln der Fruchtfolge jedoch möglichst genau einhalten. Schreibt daher in jedem Jahr auf, welches Gemüse wann in welchem Beet angebaut wurde. Auch innerhalb eines Beetes sollte genau Buch geführt werden, welche Pflanzen in welchem Monat an welcher Stelle gestanden haben. Mit diesem Wissen ist es dann ein Leichtes, den Gemüseanbau für das neue Jahr zu planen. Dabei müsst Ihr eigentlich nur die folgenden Regeln einhalten:
Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer im Wechsel
Der Nährstoffbedarf der verschiedenen Gemüsearten unterscheidet sich zum Teil erheblich. Daher teilen Gärtner die Pflanzen in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer ein – wobei sich die Zusammensetzung dieser Gruppen je nach Quelle leicht unterscheidet. In einer ordnungsgemäßen Fruchtfolge baut man im ersten Jahr Starkzehrer an (zum Beispiel Kürbis, Gurken, Kohlarten, Kartoffeln), im zweiten Jahr Mittelzehrer (zum Beispiel Möhren, Fenchel, Mangold, Salat) und im dritten Jahr Schwachzehrer (zum Beispiel Radieschen, Bohnen, Zwiebeln, Kresse). Im vierten Jahr wird eine Gründüngung eingesät, danach beginnt man wieder mit Starkzehrern. Mit dieser Fruchtfolge geht der Nährstoffentzug von Jahr zu Jahr zurück. Im Brachejahr schließlich wird der Nährstoffvorrat des Bodens durch die Flächenkompostierung der Gründüngung wieder aufgefüllt.
Die Fruchtfolge lässt mit der Einteilung der Gemüsebeete im Stil des klassischen Bauerngartens ganz leicht realisieren. Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer und Gründüngung rotieren im Jahresrhythmus von einem Beet zum nächsten
Botanische Verwandtschaften beachten
Achtet bei der Planung der Fruchtfolge darauf, dass Gemüsearten aus einer Pflanzenfamilie nicht nacheinander im selben Beet wachsen. Rettiche beispielsweise zählen wie alle Kohlarten, Kohlrabi, Radieschen und Kresse zu den Kreuzblütlern. Auch wenn sie Mittelzehrer sind, sollten sie nicht dort angebaut werden, wo im Vorjahr Weißkohl kultiviert wurde. Wechselt daher jedes Jahr zwischen Kreuzblütlern, Doldenblütlern (Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Pastinaken, Petersilie, Fenchel, Dill), Schmetterlingsblütlern (Erbsen, Bohnen), Gänsefußgewächsen (Spinat, Mangold, Rote Rüben), Nachtschattengewächsen (Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen) und Kürbisgewächsen (Kürbis, Gurken, Melonen).
Wichtig: Das Prinzip beinhaltet auch die Gründüngungspflanzen. Raps und Senf beispielsweise sind als Kreuzblütler für den Gemüsegarten nicht die beste Wahl, da sie die Verbreitung der Kohlhernie fördern. Wenn man im dritten Jahr Erbsen angebaut hat, sollte man als Gründüngung außerdem keine Schmetterlingsblütler wie Lupinen und Klee einsäen.
Mangold gehört zu den Gänsefußgewächsen. Gemüsearten dieser Pflanzenfamilie, wie Spinat oder Rote Rüben, sollten im Folgejahr nicht im selben Beet wachsen
Fruchtfolge und Düngung
Bei richtiger Fruchtfolge kommt man auch auf ärmeren Boden ohne Mineraldünger aus. Als Grunddüngung dient jedes Jahr im Frühjahr eine Kompostgabe: für Stark- und Mittelzehrer drei bis vier Liter pro Quadratmeter, für Schwachzehrer ein bis zwei Liter. Das Starkzehrer-Beet sollte außerdem Anfang Juni mit 30 bis 50 Gramm Hornmehl pro Quadratmeter nachgedüngt werden. Auch bei rein organischer Düngung gilt: Alle drei bis vier Jahre den Nährstoffgehalt des Bodens untersuchen lassen, denn nur so können die Pflanzen bedarfs-gerecht versorgt werden. Sollte sich herausstellen, dass der Boden mit Phosphat überversorgt ist – wie die meisten Gemüsegärten in Deutschland – empfiehlt es sich, die Kompostgaben zu reduzieren und stattdessen mit Hornmehl zu düngen.

Verband der Gartenfreunde Riesa e.V.                 
Reiner Sikora
AG Fachberatung   
                                    
Gartentipps Februar 2017

Liebe Gartenfreunde, hier einige wichtige Hinweise zum Erziehungsschnitt bei jungen Obstbäumen!
Der Erziehungsschnitt bei Obstgehölzen ist eine wichtige Maßnahme für den Kronenaufbau eines jeden Obstbaumes. Der regelmäßige jährliche Erziehungsschnitt in den ersten Jahren fördert nicht nur das Wachstum, sondern vor allem den Aufbau eines langfristig stabilen Kronengerüstes und die Entwicklung breiter, gut belichteter/belüfteter und gut beerntbarer Baumkronen.
Es gilt der Grundsatz: Je schwächer das Wachstum, desto stärker der Rückschnitt!
Zur Förderung ihres Wachstums und ihrer Verzweigung werden die Leitäste sowie die Stammverlängerung jährlich um ein bis zwei Drittel zurückgeschnitten. Der Rückschnitt der Leitäste erfolgt jeweils auf außen, also unten stehende Knospen ("Augen"). Gleichzeitig werden die auf der Oberseite der Triebe befindlichen Knospen grundsätzlich entfernt, um oberseitige, ins Kroneninnere zurückwachsende Austriebe von vornherein zu vermeiden und statt dessen mehr nach außen wachsende Triebe an den Leitästen zu provozieren.
Zur Erzielung einer gleichmäßigen symmetrischen Kronenentwicklung werden die Leitäste untereinander alle etwa in gleicher Höhe eingekürzt ("Saftwaage"), die Stammverlängerung knapp darüber (ca. eine Scherenlänge). Wird der Stammverlängerung zu viel Vorsprung eingeräumt, wie man dies häufig auf Obstwiesen beobachten kann, bleiben die ursprünglich vorgesehenen Leitäste sofort im Wachstum zurück und es bilden sich weiter oben an der Stammmitte neue kräftige Seitentriebe beziehungsweise Leitäste aus. Die Krone wandert nach oben.
Mit den sich an den Leitästen bildenden Seitentrieben wird wie folgt verfahren: Die senkrecht und zur Mitte wachsenden Triebe auf der Oberseite der Leitäste werden an ihrer Basis entfernt. Nach außen stehende Seitentriebe auf der Unterseite der Leitäste werden - zumindest die ersten Jahre - zur Förderung ihres Wachstums ebenfalls eingekürzt, jedoch jeweils deutlich unter der Leitastverlängerung und jeweils auf außenstehende Augen; oberseitige Augen werden entfernt.
Falls der Baum von allein zu wenig waagrechtes Fruchtholz bildet, können steiler stehende Seitentriebe durch Waagerechtbinden oder Abspreizen als Fruchtholz genutzt werden.
Ob unsere Schnittmaßnahmen erfolgreich waren, können wir daran ersehen, wo der junge Baum seinen stärksten Austrieb gemacht hat. Leitast- und Stammverlängerung sollten gegenüber allem sonstigen Seitenholz nicht nur den stärksten Neuaustrieb aufweisen, sondern auch das stärkste Dickenwachstum. Gerade der Erziehungsschnitt im Winter sorgt für einen intensiven Neuaustrieb bei den jungen Obstbäumen im Frühjahr!

 

Flechten an Bäumen: Schädlich oder harmlos?

 

In vielen Gärten sieht man alte Apfelbäume und andere Gehölze, die dicht mit Flechten bewachsen sind – und Hobbygärtner fragen sich oft, ob die Organismen für die Bäume schädlich sind.

Botanisch betrachtet sind Flechten keine Pflanzen, sondern ein Kollektiv aus Pilzen und Algen. Sie besiedeln die Rinde vieler Bäume, aber auch Steine, Felsen und karge Sandböden. Die beiden Organismen bilden eine Lebensgemeinschaft, eine sogenannte Symbiose, die beiden Seiten zum Vorteil gereicht: Der Pilz kann zwar Wasser und Mineralstoffe aus dem Boden und seiner Umgebung aufnehmen, allerdings mangels Chlorophyll keine Fotosynthese betreiben. Die Alge hingegen ist in der Lage durch Fotosynthese Zuckerstoffe zu produzieren, kommt jedoch aufgrund fehlender Wurzeln nicht an wichtige Ausgangsstoffe wie Wasser und Mineralien heran. Der Pilz bildet außerdem den Körper der Flechte (Thallus), dessen Farbspektrum von Weiß über Gelb, Orange, Braun, Grün bis Grau reicht. Er bietet der Alge damit auch Schutz vor Austrocknung und mechanischer Schädigung.

Flechten zählen zu den langlebigsten Lebewesen auf der Erde und können mehrere hundert Jahre, im Einzelfall sogar mehrere tausend Jahre alt werden. Allerdings wachsen sie sehr langsam und setzen sich nur schwer gegen das Überwuchern mit konkurrierenden Pflanzen wie zum Beispiel Moosen durch. Für einige Waldtiere sind sie eine wichtige, eiweißreiche Futterquelle.

 

 

 

Unterteilung der Flechten-Arten

Weltweit sind circa 25.000 Flechten-Arten in den unterschiedlichsten Formen bekannt, 2.000 von ihnen kommen in Europa vor. Je nach Wuchsform werden diese Arten in drei Gruppen unterteilt: den Blatt- und Laub-Flechten, Krusten-Flechten und Strauch-Flechten. Im Garten wachsen sie auf Steinen, an Mauern und auf Dachziegeln sowie an Bäumen. Am häufigsten findet man Flechten hier an basenreichen Baumrinden. Laubbäume wie Pappel, Esche und Apfelbaum werden am stärksten besiedelt.

 

Flechten an Bäumen

Auch wenn Flechten oft als Schädlinge wahrgenommen werden – sie sind für die befallenen Bäume nicht schädlich. Es handelt sich nicht um Parasiten, die aus den Leitungsbahnen der Rinde wichtige Nährstoffe abzweigen – sie nutzen den Untergrund lediglich als Lebensraum zum Wachsen. Durch die symbiotische Vereinigung können Flechten ihre Bedürfnisse selbst decken und müssen der Pflanze keine Nährstoffe oder Mineralien entziehen. Auch das Wachstum der Rinde wird durch Flechten nicht behindert. Da Flechten nicht in den Baum eindringen, haben sie keinen Einfluss auf das Rindenwachstum.

Ein Grund für die Verdächtigung der Flechten als vermeintliche Baumschädlinge ist, dass die Organismen häufig auf Gehölzen siedeln, die sehr alt sind oder aus anderen Gründen nicht mehr vital wirken – eine klassische Verwechslung von Ursache und Folge. Die Vorliebe der Organismen für geschwächte Bäume rührt daher, dass diese Gehölze weniger Energie in die Produktion von Abwehrstoffen stecken, die eine Borke normalerweise durch ihren niedrigen pH-Wert unattraktiv erscheinen lassen. Das begünstigt die Besiedlung der Rinde mit Aufsitzer-Organismen wie Flechten und Luftalgen. Es gibt jedoch auch viele Flechten-Arten, die sich auf vitalen Bäumen wohlfühlen, daher sind Flechten nicht immer ein Indiz für einen schlechten Zustand des befallenen Baums. Der Flechtenbewuchs hat sogar Vorteile, denn die Lebewesen schützen die besiedelten Stellen vor anderen Pilzen und Bakterien. Aus diesem Grund sollten sie auch nicht entfernt werden. Eine Ausnahme betrifft die Stammpflege älterer Obstbäume: Dabei wird die lockere Borke mit Moos- und Flechtenbewuchs entfernt, da sie überwinternden Schädlingen wie dem Apfelwickler und Baumläusen Unterschlupfmöglichkeiten bietet.

 

Zeigerpflanzen für saubere Luft

Da Flechten keine im Boden verankerten Wurzeln besitzen und somit Wasser und Nährstoffe aus der Luft aufnehmen, sind sie auf eine gute Luftqualität angewiesen. Sie verfügen nicht über ein Ausscheidungssystem und reagieren daher sehr sensibel auf Schadstoffe. Somit sind die Organismen wichtige Indikatoren für Luftschadstoffe und Schwermetalle. In Großstädten beispielsweise findet man selten Flechten, da hier ein höherer Grad an Luftverschmutzung herrscht und die Luft zudem trockener ist als in ländlichen Regionen. Auch Erkrankungen der Atemwege treten vermehrt an Orten auf, wo keine Flechten wachsen. Somit zeigen die Lebewesen auch den Gesundheitswert der Luft für den Menschen an. Es gibt also genügend Gründe, Flechten zu schützen anstatt sie leichtfertig zu bekämpfen.

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